Vorlesung: Positive Youth Development
Shownotes
Mein Kind lernt – Podcast zu Positive Youth Development
Wie können Kinder und Jugendliche sich zu selbstbewussten, resilienten und sozial verantwortlichen Menschen entwickeln? Und was brauchen sie dafür von Eltern, Pädagog:innen und ihrem Umfeld?
Der Podcast beschäftigt sich mit Lernen, Entwicklung und Bildung und bietet Einblicke in die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen. Im Rahmen der Vorlesung „Positive Youth Development“ richten wir den Blick darauf, wie junge Menschen in ihren Stärken und Ressourcen gefördert werden können.
Dabei geht es nicht nur darum, Risiken und Probleme zu vermeiden, sondern vor allem darum, Potenziale zu entdecken und Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen. Konzepte wie Selbstwirksamkeit, Resilienz, soziale Kompetenzen, Beziehungen und Partizipation spielen dabei eine zentrale Rolle.
Der Podcast lädt dazu ein, wissenschaftliche Erkenntnisse mit der pädagogischen Praxis und dem Alltag von Kindern und Jugendlichen zu verbinden – und der Frage nachzugehen: Was brauchen junge Menschen, damit sie sich gut entwickeln und ihr Potenzial entfalten können?
Transkript anzeigen
00:00:04: Der Hörsaal für Bildung mit Herz und Verstand mit Professorin Sandra Fink
00:00:11: Was Kinder- und Jugendliche stark macht.
00:00:14: Positive Entwicklung ist eine Aufgabe von Bildung, was brauchen Kinder und Jugendlichen um sich positiv zu entwickeln?
00:00:22: Diese zunächst ganz einfache Frage markiert einen bedeutsamen Perspektivwechsel in der Entwicklungs- und Bildungsforschung.
00:00:30: Im Mittelpunkt steht nicht allein die Vermeidung von Risiken oder problematischen Entwicklungsverläufen, denn ebenso bedeutsam ist nämlich die Frage welche individuellen Ressourcen und sozialen Bedingungen junge Menschen benötigen um ihre Fähigkeiten zu entfalten.
00:00:46: Tragfähige Beziehungen aufzubauen und eben auch zunehmend Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.
00:00:54: Und einen wichtigen theoretischen Rahmen bietet hier für der Ansatz des Positive Use Development.
00:01:01: Im Unterschied zu einer vorwägen Defizit- oder Risikoorientierten Betrachtung versteht dieser Ansatz junge Menschen als aktive Mitgestalter ihrer eigenen Entwicklung.
00:01:12: Die Entwicklung vollzieht sich dabei nicht ausschließlich aufgrund der individuellen Eigenschaften, denn bei diesem Ansatz entscheiden viel mehr das dynamische Zusammenspiel zwischen der Person und ihren sozialen Lebenswelten, beispielsweise Familie, Schule, Peergroup und eben auch weitere Bildungs- und Freizeitkontexte.
00:01:35: Die positive Entwicklung ist also mehr als die Abwesenheit von Problemen eine zentrale Annahme.
00:01:42: Das PYD-Ansatz besteht darin, dass eine gelingende Entwicklung nicht bereits dann vorliegt wenn junge Menschen kein auffälliges oder problematisches Verhalten zeigen.
00:01:53: Die positive Entwicklung umfasst vielmehr den Aufbau von Ressourcen die es eben ermöglichen gegenwärtige und zukünftige Entwicklungsanforderungen zunehmend selbstständig zu bewältigen Und besonders bekannt ist in diesem Zusammenhang das Modell der Five Seas of Positive Use Development, denn es beschreibt fünf miteinander verbundene Entwicklungsbereiche.
00:02:20: Kompetenz bezeichnet die Erfahrung und Wahrnehmung eigener Fähigkeiten.
00:02:25: Konfidenz umfasst ein positives Vertrauen in die eigene Person und die eigenen Handlungsmöglichkeiten.
00:02:33: Connection beschreibt tragfähige und wechselseitig wertschätzende Beziehungen zu anderen Menschen- und sozialen Kontexten.
00:02:41: Character bezieht sich auf die Entwicklung von Werten, Verantwortungsbewusstsein und Orientierung und Caring umfasst Empathie und Mitgefühl gegenüber anderen.
00:02:52: Und bei einer positiven Entwicklung dieser Bereiche kann darüber hinaus dann Contribution entstehen.
00:02:59: Also junge Menschen erleben sich nicht nur als Empfänger von Unterstützung, sondern erkennen dass sie selbst einen Beitrag für andere und die Gesellschaft leisten können.
00:03:09: Ja was bedeutet das jetzt alles für die Bildung?
00:03:13: Aus bildungswissenschaftlicher Perspektive ist diese Sichtweise ganz besonders interessant, denn sie lenkt den Blick weg von der alleinigen Frage was Kinder und Jugendliche lernen sollen hin zu der Frage welche Entwicklungserfahrungen Bildungsräume ermöglichen.
00:03:31: Eine Lernumgebung kann beispielsweise Gelegenheit schaffen, eigene Entscheidungen zu treffen.
00:03:36: Verantwortung zu übernehmen, Herausforderungen selbstständig zu bewältigen und Unterstützung einzufordern wenn diese benötigt wird.
00:03:44: aber ebenso bedeutsam sind Beziehungen in denen Kinder- und Jugendliche Anerkennung, Zugehörigkeit und Vertrauen erfahren Und damit erhält auch Selbständigkeit eine andere Bedeutung.
00:03:55: Denn Selbstständigkeit bedeutet nicht, Kinder möglichst früh irgendwie sich selbst zu überlassen.
00:04:01: Vielmehr benötigen junge Menschen einen verlässlichen sozialen Rahmen innerhalb dessen sie eben ausprobieren und Entscheidungen treffen und Fehler machen und eigene Lösungswege entwickeln können.
00:04:15: Die entscheidende pädagogische Frage lautet daher nicht wo benötigt ein Kind Unterstützung sondern Wo können wir einem Kind zutrauen, selbst tätig zu werden?
00:04:27: Und damit sind Bildungsräume als Entwicklungsräume zu denken.
00:04:31: Gerade darin liegt eine wichtige Verbindung zwischen Positive Use Development und einer Ressourcen- und autonomie orientierten Pädagogik.
00:04:42: Kinder und Jugendliche sind nicht ausschließlich adressatpädagogischer Maßnahmen denn sie gestalten ihre Entwicklung aktiv mit.
00:04:50: Und Bildungsräume können deshalb mehr sein als Orte der Wissensvermittlung, sie können zu Entwicklungsräumen werden – zu Orten an denen junge Menschen Kompetenz erfahren und Selbstvertrauen entwickeln, tragfähige Beziehungen aufbauen, Verantwortung übernehmen und erleben, dass ihm das eigene Handeln Bedeutung besitzt!
00:05:10: Und die Frage nach guter Bildung erweitert sich damit.
00:05:14: Denn neben jetzt den fachlichen Lernergebnissen wird bedeutsam, welche Erfahrungen junge Menschen über sich selbst und ihre Beziehung zur Welt machen – vielleicht ist das eine der wichtigsten Erfahrungen, die Bildung überhaupt ermöglichen kann?
00:05:29: Und ja, das ist eigentlich eine erstaunlich einfache Erfahrung.
00:05:34: Ich kann etwas, ich traue mir etwas zu, ich gehöre dazu mein Beitrag zählt und ich kann etwas bewerten!
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