Motivation verstehen
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00:00:04: Der Hörsaal für Bildung mit Herz und Verstand mit Professorin Sandra Fink.
00:00:29: Wenn Sie in der Schule tätig sind, stellen Sie sich mal ein Kind vor, das vor einer Mathematik-Aufgabe sitzt.
00:00:36: Schaut die Aufgabe an und noch bevor es überhaupt angefangen hat, sagt er, dass kann ich sowieso nicht.
00:00:43: Daneben sitzt vielleicht ein anderes Kind, gleiche Aufgabe, gleicher Schwierigkeitsgrad Und dieses Kind denkt, das ist schwierig aber ich probiere es.
00:00:53: Warum reagieren jetzt die beiden Kinder so unterschiedlich?
00:00:57: und vielleicht noch interessanter, warum kann ein oder dasselbe Kind bei einer Aufgabe hoch motiviert sein?
00:01:04: Und bei der anderen wieder überhaupt nicht.
00:01:06: Genau mit solchen Fragen beschäftigen sich die amerikanischen Psychologinnen Eccles & Wickfields seit vielen Jahren.
00:01:15: Ihr Ansatz ist deshalb so spannend weil Motivation darin eigentlich auf zwei ziemlich einfache Fragen zurückgeführt wird nämlich auf Kann ich das?
00:01:27: Ist es mir das Wert?
00:01:29: Diese beiden Fragen, die schauen wir jetzt nochmal genauer an.
00:01:34: Zur ersten Frage kann ich das!
00:01:36: Bleiben wir bei unserem Beispiel ein Kind bekommt eine Aufgabe noch bevor es beginnt.
00:01:42: hat es eine Vorstellung davon wie die Sache ausgehen wird?
00:01:46: Das schaffe ich oder das schaffe wahrscheinlich eh nicht.
00:01:51: Eccles und Wickfield sprechen hier von Erfolgserwartungen, den sogenannten Expectances for Success.
00:02:01: Dabei geht es nicht darum ob das Kind die Aufgabe objektiv lösen könnte denn entscheidend ist zunächst was erwartet das Kind selbst.
00:02:11: Trau ich mir zu diese Aufgabe erfolgreich zu bewältigen.
00:02:16: Und das ist ein wichtiger Unterschied.
00:02:18: Denn zwei Kinder können über ganz ähnliche Fähigkeiten verfügen und trotzdem völlig unterschiedlich an eine Aufgabe herangehen.
00:02:27: Das eine denkt, dass bekomme ich hin und das andere denkt Mathe konnte ich noch nie!
00:02:33: Und diese Erwartungen beeinflussen unser Verhalten.
00:02:37: Wenn ich davon ausgehe, dass sich ohnehin scheitern werde Warum sollte ich mich dann überhaupt besonders anstrengen?
00:02:46: Wenn ich dagegen glaube, dass ich eine realistische Chance habe etwas zu schaffen dann bin ich eher bereit anzufangen und auch dran zu bleiben.
00:02:55: Ja jetzt kann man sagen woher kommt diese Haltung dieses?
00:02:59: Ich Kann Das?
00:03:01: Gut da müssen wir Kinder eben das häufiger sagen du kannst das aber sie werden wissen vielleicht aus der Betreuung.
00:03:08: so einfach ist es leider nicht Denn diese Erwartungen, die entstehen ja in uns selbst und zwar über längere Zeit.
00:03:16: Die Kinder sammeln Erfahrungen, sie bekommen Rückmeldungen von uns, die vergleichen sich mit anderen, die erleben Erfolg und Misserfolg und dann beobachten Sie auch sehr genau was die Erwachsenen ihnen zutrauen.
00:03:30: Und stellen Sie sich beispielsweise ein Kind vor das immer wieder hört Mathe liegt bei uns in der Familie einfach niemandem.
00:03:40: Das klingt immer zunächst ganz harmlos wie eine Erzählung, aber solche Botschaften können sich festsetzen.
00:03:47: Genauso wie du bist eben nicht der kreative Typ oder Sport war noch nie deine Stärke und nach und nach können daraus Vorstellungen entstehen, ja?
00:03:57: Das bin ich!
00:03:59: Oder das bin ich eben nicht.
00:04:01: Und damit kommen wir zu einem wichtigen Punkt Motivation entsteht nicht erst in dem Moment, indem eine Aufgabe vor uns liegt.
00:04:11: Unsere bisherigen Erfahrungen sitzen gewissermaßen schon immer mit am Tisch.
00:04:16: und die zweite Frage ist mir das Wert?
00:04:20: Kann ein Kind durchaus denken ja ich könnte diese Aufgabe schaffen und sie aber trotzdem nicht machen wollen.
00:04:26: Warum?
00:04:28: Weil noch eine zweite Frage hinzukommt Ist mir das überhaupt wichtig?
00:04:33: Und hier sprechen Eccles und Bequilt vom subjektiven Wert eine Aufgabe.
00:04:38: Und dieser Wert ist eben nicht für alle Menschen gleich, ja?
00:04:42: Denken Sie einmal an etwas das sie selbst überhaupt nicht interessiert!
00:04:46: Vielleicht könnten Sie sich intensiv damit beschäftigen – Sie tun es aber nicht.
00:04:50: Nicht weil Sie es nicht könnten sondern weil Sie keinen Grund dafür sehen.
00:04:55: Und genau das erleben Kinder
00:04:57: ebenfalls.".
00:04:59: Warum muss ich das lernen, wofür brauche ich das?
00:05:02: Was hat es mit mir zu tun?
00:05:04: Gerade bei den Hausaufgaben kennen wir solche Fragen.
00:05:08: Und sie sind nicht automatisch ausdruckmangelnder Motivation.
00:05:13: Manchmal ist es eine ziemlich berechtigte Suche einfach nach der Bedeutung.
00:05:19: Ja, Wert ist nicht gleichwert.
00:05:21: Eckels und Wickfield unterscheiden verschiedene Arten wie etwas für uns wertvoll sein kann.
00:05:26: Die erste ganz einfach, es macht mir Freude.
00:05:30: Ich lese ein Buch weil ich gern lese.
00:05:32: Ich beschäftige mich mit Dinosauriern, weil ich Dinosuria großartig finde.
00:05:37: Ich experimentiere weil ich wissen möchte was passiert.
00:05:41: Hier liegt der Wert in der Tätigkeit selbst.
00:05:44: Das wird als intrinsic value bezeichnet also ein intrinsischer Wert.
00:05:50: Und dann gibt es etwas anderes.
00:05:52: Eine Aufgabe kann für mich wichtig sein, was sie etwas mit meinem Selbstbild zu tun hat.
00:05:58: Ein Kind sagt vielleicht ich möchte das unbedingt können Ich bin nämlich gut richtig gut im zeichnen.
00:06:05: Oder eine Jugendliche möchte eine bestimmte Leistung erbringen weil diese zu ihrem Bild von sich selbst gehört.
00:06:12: Das bezeichnet man als attainment value.
00:06:17: Vereinfacht gesagt Das ist mir wichtig, weil es was mit mir und meinem Selbstbild zu tun hat.
00:06:25: Und dann gibt's noch den Utility Value also die Nutzen einer Sache.
00:06:30: vielleicht begeistert mich eine Aufgabe überhaupt nicht aber ich weiß ich brauche das später.
00:06:35: Ich lerne beispielsweise Englisch nicht jeden Tag mit Begeisterung Aber ihr möcht dem Ausland studieren oder arbeiten im Ausland.
00:06:43: Dann bekommt das Lernen eine persönliche Note Ja, und dann gibt es in diesen Modellen noch die Kosten.
00:06:52: Ein Punkt wird bei der Motivation häufig vergessen nämlich wenn wir uns einfach selbst fragen ja was bringt mir denn etwas?
00:07:01: Was kostet mich das?
00:07:02: jetzt?
00:07:03: nicht unbedingt finanziell sondern Aufwand ist damit gemeint Zeit Anstrengung Stress vielleicht auch Angst zu scheitern Und wenn ich drei Stunden für eine Prüfung lerne kann Ich In dieser zeit etwas anderes nicht tun, wenn nämlich für etwas anstrengende und anschließend scheitere dann kann das eben unangenehm sein.
00:07:24: Und wenn ich ohnehin erschöpft bin, kann selbst eine eigentlich interessante Aufgabe plötzlich zu viel werden.
00:07:32: auch solche Kosten-Kosts gehören zum Modell.
00:07:37: ja und das finde ich für unseren Blick auf Kinder und Jugendliche besonders wichtig denn manchmal sagen wir der ist einfach nicht motiviert So eine Standard-Aussage.
00:07:48: oder Eltern wünschen sich, wie kann ich mein Kind motivieren?
00:07:53: Dabei könnt ihr eben die bessere Frage lauten.
00:07:56: Was kostet diese Aufgabe des Kind jetzt gerade?
00:08:01: Motivation ist also kein Schalter und jetzt können wir mal unsere beiden Ausgangsfragen nochmal zusammen führen.
00:08:08: Kann nicht das?
00:08:10: und Ist es mir das wert?
00:08:13: Nehmen wir noch mein Beispiel.
00:08:15: Ein Kind liebt Naturwissenschaften, es möchte unbedingt wissen warum ein bestimmtes Experiment funktioniert.
00:08:21: der Wert ist hoch Aber das Kind denkt ich bin einfach schlecht in Physik oder ja Ich kann sowas nicht.
00:08:31: Dann fehlt die Erfolgserwartung Oder umgekehrt.
00:08:34: ein kind weiß ganz genau diese Aufgabe kann ich ganz locker lösen aber es interessiert sich halt überhaupt nicht dafür.
00:08:41: Dann ist die Erfolgserwartung hoch, aber der subjektive Wert niedrig.
00:08:46: Und in beiden Fällen kann die Motivation fehlen.
00:08:51: Deshalb finde ich diesen Ansatz für Bildung sehr hilfreich denn er zeigt uns, Motivations ist nicht einfach eine Eigenschaft eines Kindes.
00:08:59: Wir können ein Kind nicht in eine Kategorie motiviert oder unmotiviert reinstecken.
00:09:06: MotivATION entsteht in Beziehung zu einer konkreten Aufgabe zur Erfahrungen und bestimmten Kontext.
00:09:14: Ja, was bedeutet das jetzt für Eltern und Lehrkräfte?
00:09:17: Wenn ein Kind sagt ich will nicht könnten wir einmal versuchen Nicht zuvor mit Wust aber zu antworten sondern genauer hinzuhören?
00:09:27: Was steckt denn hinter diesem?
00:09:29: Ich will nicht.
00:09:31: Ist es vielleicht?
00:09:32: ich glaube ich kann das nicht.
00:09:35: Dann braucht das Kind vielleicht Unterstützung überschaubare Herausforderungen und Erfolgserfahrungen.
00:09:43: Oder ist es mehr, ich verstehe nicht warum ich das machen soll?
00:09:47: Dann geht's um die Bedeutung.
00:09:50: oder wenn das Kind sagt, dass interessiert mich überhaupt nicht, dann könnten wir eher darüber nachdenken ob sich ein anderer Zugang finden lässt.
00:09:59: Oder bedeutet er sich will nicht eigentlich, dass mir alles gerade zu viel?
00:10:04: Dann geht es möglicherweise um die Kosten einer Aufgabe.
00:10:07: Alle vier Situationen können von außen ziemlich ähnlich aussehen, ein Kind sitzt da und beginnt nicht aber pädagogisch brauchen sie völlig unterschiedliche Antworten.
00:10:19: Die Motivation lässt sich nicht einfach herstellen.
00:10:22: das ist jetzt eine ganz wichtige Botschaft für Eltern für Pädagogen Erzieherinnen erzieher.
00:10:29: Wir können Motivation nicht einfach in ein Kind hineinbringen, aber Bedingungen schaffen unter denen Motivationsverscheinliche wird.
00:10:37: Wir können Kinder Erfahrungen ermöglichen, in denen sie merken.
00:10:41: ich kann etwas schaffen und wir können Aufgaben so gestalten dass Fortschritte sichtbar werden können Interessen ernst nehmen und erklären warum etwas bedeutsam sein könnte ohne den Anspruch das es sofort vom Kind übernommen wird.
00:10:58: Und wir können darauf achten, wenn Anforderungen so groß werden dass die wahrgenommenen Kosten für das Kind den möglichen Nutzen übersteigen.
00:11:09: Was hat das jetzt alles mit der Entwicklung zu tun?
00:11:12: An dieser Stelle wird es noch mal für mich spannend denn die Vorstellungen entstehen nicht über Nacht.
00:11:19: ein Kind entwickelt über Jahre hinweg Überzeugungen darüber was es kann was ihm wichtig ist wozu es gehört und welche Ziele es erreichen möchte.
00:11:29: Deshalb können frühe Bildungserfahrungen eine Bedeutung bekommen, die weit über eine einzelne Schulstunde hinausgehen.
00:11:37: Denn wenn Kinder immer wieder erleben – ich darf selbst ausprobieren!
00:11:42: Mir wird was zugetraucht.
00:11:44: Meine Interessen werden ernst genommen.
00:11:47: Ich kann Schwierigkeiten bewältigen.
00:11:49: Dann sammeln sie nicht nur Wissen, Sie sammlen Erfahrungen über sich selbst als lernende Person Und umgekehrt können sich natürlich auch Erfahrungen festsetzen, weder das kann ich nicht dafür bin ich nicht gemacht.
00:12:03: Oder lernen bedeutet vor allem Erwartung in anderer zu erfüllen.
00:12:08: Genau deshalb lohnt es sich die Motivation nicht nur als kurzfristige Frage zu betrachten sondern als Teil von Entwicklung.
00:12:17: Ja zwei Fragen jetzt für Sie zum mitnehmen.
00:12:20: Wenn Ihr Kind das nächste Mal sagt keine Lust Dann denken Sie vielleicht an Eccles und Wickfield.
00:12:25: Sie müssen sich die Namen natürlich jetzt nicht merken, aber merken sie sich einfach die zwei Fragen.
00:12:31: Kann ich das?
00:12:32: Und ist mir das wert?
00:12:35: Vielleicht stellen Sie Ihrem Kind diese Fragen nicht einmal direkt.
00:12:40: Ja, vielleicht helfen Sie einfach dabei ein bisschen genauer hinzuschauen.
00:12:44: Traut mein Kind sich die Aufgaben zu sitzt einen Sinneren?
00:12:47: interessiert es sich dafür?
00:12:49: Stimmt das Ergebnis wichtig oder erscheint der Aufwand gerade größer als alles was dabei eben herauskommen könnte?
00:12:58: Denn hinter einem scheinbar einfachen, ich habe keine Lust kann eben sehr viel stecken und vielleicht verändert sich damit auch unser Blick auf die Motivation.
00:13:08: Nicht auf dass wie bekomme ich mein Kind dazu endlich motivierter zu sein sondern... Was braucht mein Kind?
00:13:15: Damit es sich etwas zutraut und einen Grund findet, sich darauf einzulassen.
00:13:21: Und zwar was braucht es langfristig?
00:13:24: Das ist ein kleiner Unterschied in der Frage aber ein ziemlich großer Unterschied in Ihrer Haltung.
00:13:30: Ja vielen Dank fürs Zuhören und vielleicht beobachten Sie in den nächsten Tagen einmal bei sich selbst wann sind sie denn besonders motiviert und wann denken Sie das kann ich und wann denke Sie dass es mir wert?
00:13:43: Sie werden wahrscheinlich feststellen bei uns Erwachsenen funktioniert Motivation.
00:13:47: Du kannst gar nicht...
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